In Unternehmen und Behörden ist sie kaum wegzudenken: die E-Mail.
Sie ist eine kostengünstige und schnelle Methode, Kollegen, Vorgesetzte und Kunden zu erreichen. Und E-Mail-Clients machen den Umgang damit auch noch besonders einfach. Dafür wird häufig Outlook verwendet, denn das lässt sich problemlos mit anderen Microsoft-Produkten wie Share Point verbinden. Eine perfekte kleine Office-Welt, die mit Microsoft geschaffen werden kann, oder?

Nein. Ihr, unsere Leser, wisst es besser. Microsoft späht seine Nutzer spätestens mit Windows 10 massiv aus und nimmt sich seit neuestem heraus, im Betriebssystem Werbung anzuzeigen. Das Microsoft-Ökosystem — oder besser Microsofts „Walled Garden“ — ist eine Falle, in die sich keiner freiwillig begeben sollte. Deswegen setzen wir auf freie, quelloffene Software, über die wir die Kontrolle haben — nicht umgekehrt.

Wollt ihr also weg von Outlook, aber trotzdem all eure Postfächer im Auge behalten und zusätzlich vor nervigem Spam geschützt sein? Dann haben wir die Lösung für euch:

Mozilla Thunderbird

Thunderbird als Outlook Alternative

Dieser quelloffene E-Mail-Client überprüft für euch automatisch, ob in euren Postfächern neue E-Mails liegen, lädt diese runter und benachrichtigt euch. Mit dem lernenden Spamfilters könnt ihr Thunderbird außerdem beibringen, welche Mails für euch unwichtig sind. So werdet ihr nach einer kurzen Einlernzeit nur noch auf neue Mails hingewiesen, wenn etwas interessantes für euch dabei ist. Alles Unwichtige landet direkt im Spam-Ordner.

Features

Neben den Standard-Features wie Adressbuch, Nachrichtenarchiv und Anhang-Erinnerung gibt es noch einige nennenswerte Features:

  • Einfache Einrichtung
    Der Assistent zum Einrichten eurer E-Mail-Adressen benötigt nur Adresse und Passwort und sucht dann selbständig nach den passenden Einstellungen für den jeweiligen Anbieter.
  • Spamfilter
    Wenn ihr eine Mail als Spam markiert, „lernt“ Thunderbird dazu und verbessert seine Filter. Irgendwann seht ihr nur noch die Mails, die euch wirklich interessieren. Gerade am Anfang solltet ihr aber auch öfter in den Spam-Ordner schauen, um falsch einsortierte Mails wieder rauszufischen und auch so Thunderbird zu trainieren.
  • Plugin-Manager
    Für Thunderbird gibt es — ähnlich wie für Firefox — eine Menge nützlicher Plugins. Darunter befinden sich:

    • Enigmail
      Das Plugin gewährt euch das Ver- und Entschlüsseln von E-Mails mithilfe von GnuPG. Dazu folgt bald eine ausführliche Anleitung.
    • TorBirdy
      Wollt ihr eure wahre IP-Adresse vor eurem E-Mail-Anbieter geheim halten? Dann nutzt dieses Plugin und schickt eure E-Mails durch das Tor-Netzwerk. Auf was ihr dabei achten müsst, erfahrt ihr in unserem TorBirdy-Artikel.
  • Sicherheit
    Verdächtige Mails, die möglicherweise versuchen, euch dazu zu bringen, persönliche oder vertrauliche Daten weiterzugeben, werden markiert. Solltet ihr auf einen Link klicken, der auf eine andere Seite führen würde, als in der Mail angegeben, werdet ihr ebenfalls gewarnt.
  • Privatsphäre
    Externe Inhalte sind in E-Mails automatisch deaktiviert und müssen von euch erlaubt werden, falls ihr sie angezeigt bekommen wollt. Somit verhindert ihr, dass eure IP Adresse von Dritten ausgelesen wird.
  • Automatische Updates
    Das Update-System hält euch mit automatischen Sicherheitsupdates auf dem neuesten Stand.

Thunderbird stammt — wie auch Firefox — von Mozilla und steht zum kostenlosen Download für alle gängigen Desktop Plattformen bereit. Neben der Funktion als E-Mail-Client kann Thunderbird zusätzlich als News- und Feedreader, XMPP-, IRC-, und Twitter-Client verwendet werden.

Installation

Windows

  • Klickt auf der Download-Webseite auf den grünen Download-Button.
  • Folgt der Installation, indem ihr immer weiter klickt, es gibt nichts Spezielles zu beachten.
  • Beim ersten Start legt ihr Thunderbird als Standard-E-Mail-Anwendung fest.

OS X

  • Klickt auf der Download-Webseite auf den grünen „OS X“-Button.
  • Folgt der Installation, indem ihr immer wie gewohnt das Icon in den Applikationen Ordner zieht.

Linux


Falls Thunderbird noch nicht vorinstalliert ist, findet ihr es in eurer Applications Repository. Unter Debian und Ubuntu installiert ihr Thunderbird beispielsweise mittels apt-get, unter Arch Linux mittels pacman.

  • sudo apt-get -y install thunderbird
  • sudo pacman -S thunderbird

Konfiguration

Thunderbirds Benutzeroberfläche ist weitestgehend selbsterklärend.  Beim ersten Starten begrüßt euch der Einrichtungsassistent und hilft euch eure E-Mail-Konten in Thunderbird einzufügen:

  1. Wählt links unten den Schalter Überspringen und meine existierende E-Mail-Adresse verwenden.
  2. Gebt eure Daten ein bestätigt mit Weiter.
  3. Im nächsten Feld überprüft ihr, ob
    1. der Posteingangs-Server SSL/TLS verwendet.
    2. der Postausgangs-Server SSL/TLS (bevorzugt) oder StartTLS verwendet.

Hinweis: Bei einige Anbietern erlauben die Postausgangs-Server kein SSL/TLS. Wenn ihr es trotzdem einstellt, kommt es beim Versenden von E-Mails zu einer Fehlermeldung. In den Einstellungen, könnt ihr es aber jederzeit wieder umstellen.

Ihr könnt unter Einstellungen -> Konten-Einstellungen -> Konten-Aktionen -> E-Mail-Konto hinzufügen beliebig viele weitere Konten hinzufügen. Wiederholt dafür die oben genannten Schritte.

Sicherheit

Aus Kompatibilitätsgründen beherrscht Thunderbird neben starker und aktueller TLS-Verschlüsselung noch diverse andere Chiffren, die seit Mai 2015 nicht mehr als sicher gelten. Diese als unsicher geltenden Chiffren könnt ihr aber abschalten, um nur sichere Verbindungen zuzulassen.

Sichere TLS-Einstellungen


Öffnet das Anwendungsmenü (rechts oben) und klickt unter EinstellungenEinstellungenErweitertAllgemein auf das Feld Konfiguration bearbeiten. Bestätigt das Feld, in dem steht „Ich werde vorsichtig sein, versprochen!“, gebt über das Suchfeld die einzelnen Begriffe ein und ändert den Wert entsprechend auf unsere Empfehlung.

  • Erzwingt TLS 1.2
    security.tls.version.min = 3
  • Deaktiviert alle unsicheren Chiffren
    security.ssl3.* false
  • Aktiviert sichere Chiffren
    security.ssl3.ecdhe_rsa_aes_128_gcm_sha256 true
    security.ssl3.ecdhe_ecdsa_aes_128_gcm_sha256 true
  • Verbietet unsichere Neuaushandlung
    security.ssl.require_safe_negotiation true
    security.ssl.treat_unsafe_negotiation_as_broken true
  • Erzwingt strenges Certificate Pinning
    security.cert_pinning.enforcement_level 2

Mit diesen Einstellungen kann es zu Problemen beim Senden oder Empfangen von E-Mails kommen. In der Regel bedeutet das, dass euer Anbieter diese sicheren Einstellungen nicht unterstützt, also auf schwächere Verschlüsselung setzt. Das solltet ihr nicht hinnehmen, sucht euch besser einen anderen Anbieter.

Mit Thunderbird ist es jetzt auch absolut kein Problem mehr, mehr als eine Mail-Adresse zu verwalten. Und wie ihr das nutzt und eure Privatsphäre durch die Kombination mehrerer Adressen sinnvoll schützt, lest ihr in unserem Artikel Weniger gläsern mit der richtigen E-Mail-Strategie.

Fragen und Anregungen zum Thema E-Mail-Sicherheit und Thunderbird sehen wir immer gern in den Kommentaren.

– Eure Datenschutzhelden


Quellen:
https://www.mozilla.org/de/thunderbird/features/
https://de.wikipedia.org/wiki/Mozilla_Thunderbird
https://privacy-handbuch.de/handbuch_31k.htm