Obwohl die E-Mail im privaten Bereich schon stark an Bedeutung verloren hat, ist sie noch nicht ganz aus unserem Leben verschwunden — ganz im Gegenteil! Und das ist auch gut so. Sollte die E-Mail irgendwann verschwinden, wird eure Telefonnummer als Identifikationsmerkmal herangezogen. Das ist bei einigen Diensten heute schon Praxis. Aber gerade eure Nummer solltet ihr nicht zu bereitwillig verraten, denn ab Sommer 2017 wird es in Deutschland nicht mehr möglich sein, anonym eine SIM-Karte zu erwerben, und spätestens dann wird die Mobilfunknummer zum eindeutigen Datum, eurem universellen Identifikator — wie eine Seriennummer, die mit euch und allen anderen Informationen über euch verknüpft worden ist.

Macht es den Datensammlern schwer

Werbenetzwerke erstellen Profile über euch und bieten sie jedem an, der bereit ist, dafür zu zahlen. Eure E-Mail-Adresse wird mit euren Aktivitäten verknüpft; so können sie Rückschlüsse auf euer Verhalten und eure Vorlieben ziehen. Nutzt ihr aber mehrere E-Mail-Konten und teilt sie auf eure Online-Aktivitäten auf, kann das Netzwerk nicht eure vollständige Aktivität abbilden und sie bestenfalls nicht mit eurem echten Namen in Verbindung bringen.

Das Führen mehrerer E-Mail-Konten kann also eure Privatsphäre schützen, aber bei der Auswahl der E-Mail-Anbieter ist Vorsicht geboten — nicht nur bei amerikanischen Firmen. Praktisch alle kostenlosen Anbieter sehen euch nicht als Kunden, sondern Datenlieferanten. Auch deutsche Anbieter sind da keine Ausnahme: WEB.DE und GMX verlangen von euch eure Anschrift zur Registrierung, die sie dann für Marketing-Zwecke verwenden. Hier könnt ihr allenfalls für nicht-personenbezogene Aktivitäten ein Konto anlegen, indem ihr bei der Registrierung falsche Angaben macht.

Einige Anbieter erlauben es euch, komplett anonym ein Postfach anzulegen. Diese sind zwar nicht kostenlos, dafür aber vertrauenswürdig. Wie ihr euch eine anonyme E-Mail-Adresse bei einem vertrauenswürdigem Anbieter einrichtet, könnt ihr in unserem Beitrag E-Mail-Anbieter – Seid ihr Produkt oder Kunde? lesen.

Lasst euch nicht betrügen

Neben dem gängigen Gebrauch benötigt ihr für die Anmeldung bei Online-Marktplätzen, Internet-Foren und sozialen Netzwerken eine gültige E-Mail-Adresse. Je nach Wichtigkeit könnt ihr entscheiden, wer welche E-Mail-Adresse von euch bekommt. Ein Händler, der einen Online-Shop betreibt, wird euch eure bestellte Ware an eure private Anschrift senden. Für diesen Kontakt braucht ihr keine anonyme oder pseudonyme E-Mail-Adresse. Anders sieht es da schon bei einem Online-Forum aus, dort werden meistens Pseudonyme als Usernamen verwendet, deshalb könnt ihr hier eure pseudonyme E-Mail-Adresse verwenden. Falls ihr keine Benachrichtigungen des Forums benötigt, solltet ihr sogar eine Wegwerf-Adresse verwenden.

Schaut in unser Glossar um eine Erklärung zu den Begriffen anonym und pseudonym zu erhalten.

Die E-Mail-Adresse zum Wegwerfen

Kurz erklärt: Wegwerf-Adressen sind kostenlose temporäre E-Mail-Postfächer, die über eine Webseite aufgerufen werden, meist nur für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung stehen und danach unwiderruflich gelöscht werden. Damit sind sie perfekt für Anmeldungen bei Diensten, die eure E-Mail-Adresse eigentlich nicht benötigen, aber trotzdem verlangen. In so einem Fall erhaltet ihr in der Regel sofort eine Bestätigungsmail mit einem Link zur Verifizierung eures Postfachs. Nach der Freischaltung eures Kontos könnt ihr die Webseite der Wegwerf-E-Mail wieder schließen und somit das Postfach löschen. Denkt daran, dass Informationen, die ihr über diese Adressen sendet — aber auch E-Mails im Allgemeinen — nicht privat sind. E-Mails sind eher mit einer Postkarte zu vergleichen: Jeder, der sie in die Hände bekommt, kann ihren Text lesen.

Leider erkennen manche Anbieter die Wegwerf-Adresse und blockieren ihre Nutzung. Deswegen ist es manchmal erforderlich, Adressen verschiedener Anbieter zu probieren. Am komfortabelsten ist deshalb das Firefox-Plugin Bloody Vikings!.

Dieses Vorgehen klingt vielleicht etwas drastisch, aber die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass Daten bei keinem Anbieter sicher sind. Wenn der Server des Dienstanbieters angegriffen und Nutzerdaten gestohlen werden, erhält der Angreifer nicht nur eure E-Mail-Adresse, sondern auch euer Passwort und weitere von euch hinterlegte persönliche Informationen.

Deswegen ist es ebenso wichtig, bei jedem Account ein anderes, einzigartiges Passwort zu setzen. Dabei hilft euch ein Passwortmanager wie KeePassX.

Geklaute Zugangsdaten

Gelangt eure E-Mail-Adresse in falsche Hände, dauert es nicht lange, bis die erste bösartige Mail eintrifft. Mit täuschend echter Aufmachung werdet ihr beispielsweise von einem großen Online-Händler aufgefordert, eine Zahlung zu leisten, mit der ihr angeblich bereits in Verzug seid. Oder ihr werdet aufgefordert, euch bei eurem Konto anzumelden. Folgt ihr allerdings dem Link in der Mail, kommt ihr auf eine gefälschte Version der Seite des Anbieters, die nur eure Login-Daten abgreifen soll.

Habt ihr aber nun mehrere E-Mail-Adressen, könnt ihr besser unterscheiden, ob es sich um einen Betrugsversuch handelt. Kommt beispielsweise eine Zahlungsaufforderung im Postfach eurer pseudonymen E-Mail-Adresse an, könnt ihr euch sicher sein, dass es sich um Spam handelt, denn mit dieser Adresse seid ihr bei keinem Online-Shop angemeldet.

Tipp: Legt zu jeder E-Mail-Adresse im Passwortmanager eine Liste an und tragt die Namen der Webseiten oder des Dienstes ein, an die ihr eure jeweilige Adresse vergeben habt. Das klappt mit KeePassX am besten unter Notizen. Somit könnt ihr im Notfall jederzeit überprüfen, wer von euch welche Adresse hat.

Die Strategie

Eure E-Mail-Strategie könnte also wie folgt aussehen:

Eure Haupt-Adresse

  • Die anonyme E-Mail-Adresse
    pseudonym@anbieter.com
    Die Adresse, mit der ihr euch bei einem anonymen E-Mail-Anbieter registriert, sollte weder euren echten Namen noch Pseudonyme aus eurem Internet-Leben beinhalten. Denkt euch am besten ein neues Pseudonym aus.
    Verwendung: Diese Adresse sollte weitestgehend unbekannt bleiben, denn so könnt ihr verhindern, dass euer Name oder Pseudonym mit dieser Adresse in Verbindung gebracht wird und eure wahre Identität auffliegt.
  • E-Mail-Alias 1
    echter.name@anbieter.com
    Beim Anbieter eurer anonymen E-Mail könnt ihr nun einen Alias für persönliche Zwecke einrichten. Hier könnt ihr auch euren echten Namen verwenden.
    Verwendung: Immer wenn ihr bei der Korrespondenz euren echten Namen verwendet, könnt ihr diese E-Mail-Adresse benutzen.
    Beispiele: Für Freunde und Bekannte, Behörden.
  • E-Mail-Alias 2
    netter.pseudonym@anbieter.com
    Einen weiteren Alias könnt ihr zur besseren Übersicht über euer Online-Leben einrichten. Dieser kann euren echten Namen beinhalten, muss es aber nicht.
    Verwendung: Für alle Zwecke, die mit eurem echten Namen zu tun haben, bei denen ihr aber den Kontakten nicht unbedingt traut.
    Beispiele: Online-Händler, Petitionen.

Hinweis: Aliase können einfach gelöscht und neue angelegt werden. Das kann in verschiedenen Fällen nützlich sein, etwa wenn ihr zu viele Spam- oder Phishing-Mails erhaltet.

Zusätzliche Adressen

  • Die pseudonyme E-Mail-Adresse
    pseudonym@andereranbieter.de
    Diese Adresse kann bei einem kostenlosen E-Mail-Anbieter angelegt werden. Auch hier sollten weder euer echter Name noch andere Pseudonyme aus eurem Internet-Leben vorkommen.
    Verwendung: Verwendet diese Adresse für eure Korrespondenzen, die nicht mit eurem echten Namen zu tun haben, und für Anmeldungen bei Internet-Diensten, die eine Korrespondenz erfordern.
    Beispiele:
    Soziale Netzwerke (falls ihr euch dort mit einem Pseudonym angemeldet habt), Online-Foren (von denen ihr Benachrichtigungen über abonnierte Themen erhalten wollt).
  • Die Wegwerf-E-Mail-Adresse
    Diese E-Mail-Adressen sind nur eine bestimmte Zeit gültig und sind danach nicht mehr erreichbar. Ihr solltet keine persönlichen Informationen über diese E-Mail-Adressen leiten.
    Verwendung:
    Sie sind perfekt zur Anmeldung bei bestimmten Diensten geeignet, bei denen ihr keine weitere Korrespondenz erwartet.
    Beispiele: Foren, Messenger.

Fazit

E-Mails sind noch immer ein wichtiges Werkzeug für unser Online-Leben. Mit unserer Strategie könnt ihr eure E-Mail-Adressen nach Verwendungszweck aufteilen und somit eure Identität schützen. Zusätzlich könnt ihr damit Betrugsversuche erkennen und euch so besser dagegen schützen.

Denkt aber immer daran: Diese Strategie kann nur funktionieren, wenn ihr euch vorher sehr genau überlegt, welchem Kontakt ihr welche E-Mail-Adresse geben wollt.

Habt ihr noch Fragen? Stellt sie in den Kommentaren.

– Eure Datenschutzhelden